Hemmersmoor von Stefan Kiesby

Keine leichte Kost, aber äußerst lesenswert: der Roman Hemmersmoor von Stefan Kiesby.

Christian wächst mit seinen Freunden in einem verlassenen, öden Dorf in der trostlosen norddeutschen Tiefebene auf. Die Tage sind geprägt von Langeweile und Tratsch, von Gehässigkeit, Aberglaube und Intoleranz – von einem Klima, das Katastrophen geradezu heraufbeschwört. Und so kommt es, wie es kommen muss: Jeder macht sich schuldig, verrät, betrügt, vergewaltigt und mordet, allein oder als Teil der Gruppe.

Fast jedes der Kapitel, die aus der Sicht unterschiedlicher Personen geschildert sind, endet mit einem oder mehreren Toten, mindestens aber mit Inzest, Vergewaltigung oder Prügel. Kiesby bedient sich dabei vieler Mittel des klassischen Schauerromans, setzt auf das Entsetzen, das sich im Alltag ausbreitet und gerade durch seine scheinbare Normalität einen solchen Schrecken verbreitet.

Allerdings versagt der Autor seinem Leser die Auflösung, die reinigende Sühne. Nein, Hemmersmoor und seinem Grauen entgeht keiner, jeder Versuch einer Flucht scheitert früher oder später. Aber nur die aufufernde Gewalt zu sehen, greift zu kurz. Denn sie ist nur sichtbarer Ausdruck des allumfassenden Schweigens, das in dem Dorf herrscht. Ein Schweigen, das weit tiefer greift, als es zuerst den Anschein hat.

Stefan Kiesby: Hemmersmoor. Klett-Cotta. gebunden. 17,95 Euro

Glanzrolle für Gary Oldman

Ich gestehe, ich bin Gary Oldman-Fan. Der Mann ist einfach ein toller Schauspieler und ziemlich cool obendrein. Für seine Rolle als George Smiley in „Dame König As Spion“ ist er für der Oskar nominiert – völlig zurecht meiner Meinung nach.

Die Story: Der Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes, Control genannt, sucht einen Spitzel in den eigenen Reihen und schickt dafür einen Agenten nach Budapest. Aber die Aktion scheitert, Control nimmt seinen Hut und mit ihm geht seine rechte Hand George Smiley. Doch kurz darauf wird Smiley vom der Regierung reaktiviert und soll nun seinerseits den Maulwurf finden. Smiley beginnt mithilfe des Agenten Peter Guillam seine geheime Untersuchung auf höchster Ebene. Ein kaltes, berechnendes und menschenverachtendes Spiel zwischen verfeindeten Geheimdiensten um Wahrheit und Lüge, Vertrauen und Verrat beginnt.

Allein schon die Szene, in denen Gary Oldman als George Smiley ganz zu Beginn nach seiner Demission das Gebäude verlässt, leicht gebeugt und stets immer drei Schritte hinter seinem Chef, ist Oskar-verdächtig. Oldman gelingt es, die Figur des Smileys allein durch seine Körperhaltung treffend zu charakterisieren und ihre Loyalität, Verletztheit und Zweifel darzustellen. Überhaupt ist Smiley das genaue Gegenteil des bekanntesten britischen Agenden, James Bond. Grau und unscheinbar wirkt er eher wie ein Buchhalter als ein Top-Agent – trotz des perfekt sitzenden Anzugs. Gitzerwelt, wilde Schießereien und Verfolgungsfahrten gibt es in seiner Welt nicht, dafür zähe Ermittlungsarbeit und kühles, möglichst emotionsloses Nachdenken. Doch gerade Letzteres fällt Smiley immer schwerer, denn sein Gegner, der Chef des KGB, kennt seine Schwäche und nutzt sie brutal aus.

„Dame König As Spion“ ist ein grandioses Stück Kino mit einer spannenden Story (basierend auf dem Roman von John le Carré) in einer coolen 70er-Jahre-Optik. Neben Oldman spielt eine grandiose Schauspielriege: Benedict Cumberbatch als Peter Guillam, John Hurt als Control, daneben Colin Firth, Tom Hardy, Toby Jones und andere – sie alle brillieren in ihren Rollen.

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Einfach ein großartiger Film! Wer ihn noch nicht gesehen hat: Unbedingt nachholen.