Das Schweigen meiner Mutter von Lizzie Doron

„Wo ist mein Vater?“ Das fragt die kleine Lizzie sich selbst, ihre Mutter und überhaupt jeden, den sie kennt. Denn im „Viertel“, in dem sich die Shoah-Überlebenden versammeln, ist sie das einzige Kind, das ohne Vater groß wird. Doch jeder schweigt, allen voran Lizzies Mutter. „Was ich will, dass sie weiß, das weiß sie.“, sagt sie. Und so schafft sich Lizzie einen eigenen Vater, lässt ihn als Partisan in Polen gegen die Nazis kämpfen oder nach Amerika auswandern.

Erst Jahre später, als Erwachsene, kommt sie der Wahrheit auf die Spur, halb suchend, halb von Informationen überfallen, die nun, da die Mutter tot ist, aus den anderen herausquillen. Und auch die anderen Geschichten kommen heraus, das Schweigen der anderen Überlebenden der Nazi-Zeit bricht. Am anrührendsten ist die letzte Seite des Buchs, die ein Foto der kleinen Lizzie zeigt, mit ihrem Vater, der sich vor ihr und den anderen in einem Gebüsch versteckt und sie beobachtet.

Was für ein großartiges Buch!

Doron, Lizzie: Das Schweigen meiner Mutter. dtv. 14,90 Euro