DIY-Werkstatt

New Look 6074: Kurzmantel für den Herbst/Winter

New Look 6074 - Herbst-Winterjacke im Einsatz

Endlich! Endlich habe ich mit dem Kurzmantel nach dem Schnitt New Look 6074 meine Herbst-Winter-Jacke ersetzt, das wurde aber auch Zeit. Eigentlich hatte ich ja schon 2015 im Rahmen des Wintermantel-Sewalongs eine neue Jacke oder einen neuen Mantel nähen wollen, dabei aber nur ein Desaster produziert. Zum Glück hatte ich da schon beim Probemodell gemerkt, dass mein Plan nicht funktionierte.

Allerdings hatte ich damit immer noch keinen neuen Mantel und keine neue Jacke. Also habe ich das Projekt letztes Jahr wieder aufgenommen und mich erneut auf die Schnittsuche begeben. Nach den Erfahrungen aus dem Sewalong habe ich nach einem Schnitt gesucht, der

  • … möglichst schlicht ist. Meinen gewählten Stoff musste ich dringend unterlegen und zwar mit Vliseline und einem winddichten Futterlaminat, sonst wäre das viel zu dünn geworden. Damit sind die Stofflagen relativ steif, kräuseln oder auch nur Falten sind schwierig.
  • … dennoch das gewisse Etwas hat. Ich finde den Stoff einfach schön. Der verträgt gut einen etwas ausgefallenen Schnitt und eine kleine Portion Extravaganz.
  • … Taschen hat. Herbst-Winterjacken ohne Taschen gehen gar nicht.
  • … etwas oversize ist. Ich wollte endlich einmal eine Jacke oder einen Mantel haben, unter die ich auch meinen dicken Pullis und Jacken anziehen kann, ohne mich eingeengt zu fühlen. Oversize steht mir eigentlich nicht wirklich, dafür bin ich zu klein. Aber das war mir egal.

New Look 6074

Meine Wahl fiel auf den Schnitt New Look 6074, auch in der „Meine Nähmode 4/2013“, Modell 56, erschienen. Als die Zeitschrift damals herausgekommen war, hatte ich die Jacke schlicht überblättert. Erst als ich mich wieder auf die Suche nach einem passenden Schnitt für die Winterjacke machte und dabei über die Jacke Yuzu von Wafflepatterns stolperte, kam ich wieder auf sie zurück. Yuzu gefällt mir ausnehmend gut (wie viele andere Schnitte der hinter Wafflepatterns stehenden Yuki auch), allerdings sind darin ein paar Elemente enthalten, die mir weniger gut stehen: zweireihig mit Raglanärmeln – in Kombination schwierig bei mir. Tatsächlich wirkt die Yuzu ja sehr kompakt.

Als Alternative habe ich dann den New-Look-Schnitt gewählt. Das geschwungene Vorderteil und den hohen Kragen hat auch diese Jacke, sogar eine leichte Egg-shape. Aber insgesamt wirkt die New-Look-6074-Jacke leichter, sie hat keine Knopfreihe, nur einen Knopf im Kragen und wird ansonsten mit großen Druckknöpfen geschlossen. Außerdem sind die Ärmel eingesetzt, das steht mir besser. Problem: In der „Meine Nähmode 4/2013“ ist der Schnitt nur in den doofen Doppelgrößen drin und dann auch noch in der für mich ungünstigen Kombination 40/42. Viel zu groß. Oder vielmehr wäre die auch vorhandene Kombination 36/38 für eine Winterjacke sicherlich zu klein geworden. Also nähte ich mal wieder ein Probemodell und nahm einiges an Weite heraus. Vor allem an den Schultern muss die Jacke passen, oversize hin oder her, wenn die Ärmel zu tief angesetzt werden, sieht das blöd aus (wobei etwas überschnitten bei diesem Schnitt für mich okay ist).

Schneiden, abkettlen, bügeln …

Eine besondere Herausforderung war die Verarbeitung des Stoffs, eine boucléartige Wolle, sehr locker gewebt und extrem winddurchlässig. Nachdem ich mich irgendwann getraut hatte, die Wolle anzuschneiden, stellte ich fest, dass sie quasi im selben Moment begann, sich aufzulösen. Jedes Teil wanderte also vom Zuschneidetisch sofort unter die Overlock, um dem Stoffschwund vorzubeugen. Dann musste das weiche Gewebe mit Einlage (ich habe Vliseline G740 gewählt) komplett unterlegt werden. Außerdem brauchte ich ein winddichtes Futter, damit die Jacke herbst-wintertauglich wurde (ein 3-Lagen-Futterlaminat von activstoffe). Und nicht zuletzt wollte die Jacke auch gefüttert werden – hier war dann auch wieder abketteln angesagt. Letztlich habe ich also nahezu jedes Schnittteil viermal (mit Probeteil sogar fünfmal) zugeschnitten, einiges abgekettelt, stundenlang Einlage aufgebügelt und das Futterlaminat festgenäht. Damit war ich ungelogen zwei Wochenenden beschäftigt, bevor ich auch nur eine einzige Naht an der Jacke selbst setzen konnte.

Erstaunlicherweise haben mir die Vorarbeiten gar nichts ausgemacht, obwohl ich wohl vorher behauptet hätte, dass ich das alles sehr lästig finde. Im Gegenteil, es war sehr spannend zu sehen, wie sich die Schnittteile und ihr Fall von Arbeitsschnitt zu Arbeitsschritt veränderten, wie das ursprünglich sehr schlabbrige Gewebe immer mehr Halt und Stand bekam. Und dann ist da noch die Erkenntnis, dass sich die Sorgfalt bei diesen Vorarbeiten dreifach auszahlt.

Das 3-Lagen-Laminat habe ich fest an den Oberstoff angenäht und dann beide Lagen gemeinsam verarbeitet. Das hat auch insgesamt gut funktioniert. Der vorher doch arg labbrige Stoff hat dadurch schön viel Stand bekommen. Allerdings raschelt das Laminat! Zwar nur etwas, aber ich würde trotzdem lieber darauf verzichten. Na ja, ist nun so, das ist wohl der Preis, den ich für „winddicht und wasserdicht“ zahlen muss. Besonders warm ist der Kurzmantel übrigens nicht, das Laminat wärmt nicht und die Wolle auch nicht wirklich. Aber an kühlen Herbsttagen oder milden Wintertagen ist sie durchaus tragbar. Und sie hält Wind und Regeln wirklich sehr gut ab! Das habe ich an einem völlig verregneten und windigen Wochenende in Bayern ausgiebig testen können.

Ein Jahr Pause … tat gut

new Look 6074Allerdings verging über die vielen Vorarbeiten auch viel Zeit und so wurde ich im letzten Winter nicht fertig. Ein Grund war sicher auch, dass ich zwischenzeitlich doch anfing, am Schnitt zu zweifeln. Ist die Jacke nicht doch viel zu weit für mich? Und diese Schultern, die sitzen doch nicht wirklich, oder? Und wie zum Teufel bekomme ich jetzt das Futter in die Jacke? Mit anderen Worten, das Teil nach New Look 6074 wanderte zu Beginn des Frühjahrs in den Keller und tauchte erst in diesem Herbst wieder auf.

Diese Pause hat gut getan, denn bei einer erneuten Anprobe stellte ich schnell fest, dass meine Zweifel über den Sommer nicht verschwunden, aber doch geringer geworden waren. Und es musste nur schnell das Futter mit der Hand eingenäht und der Verschluss gebastelt werden. Leider streikte meine Nähmaschine dann beim einzigen Knopfloch. Nachdem ich einen Abend lang nur Probeknopflöcher genäht hatte (eines schöner als das andere), stellte ich fest, dass am Kragen selbst leider gar nichts ging. Nach dem dritten vergeblichen Versuch gab ich dann auf – die Fäden vom Knopfloch noch einmal rauszupfen hätte wohl endgültig dem Stoff geschadet. Und die Jacke wieder auseinanderbauen, um einen neuen Kragen anzusetzen, wäre überhaupt nicht infrage gekommen. Und so habe ich das Knopfloch mit der Hand genäht. Geht auch.

Im Einsatz hat sich die Jacke mittlerweile gut bewährt. Sie ist wie gewünscht sehr geräumig, wetterfest und ich habe tatsächlich ein paar Komplimente dafür eingefahren (obwohl ich nach wie vor mit ihr ein wenig fremdel und den Schnitt der New Look 6074 doch eher ungewöhnlich für mich finde).

Die lustigen Fotos hat übrigens meine Freundin Barbara vom tollen Blog tief-im-allgaeu.de gemacht, als ich genau da war: tief im Allgäu. Wer einmal Inspirationen braucht, was man in dieser schönen Ecke Deutschlands so alles machen kann, sollte Barbaras Blog unbedingt einen Besuch abstatten.

  • Schnitt: New Look 6074, auch in der Meine Nähmode 4/2013, Modell 56
  • Stoff: Wolle und Futterstoff vom Stoffmarkt, Interliner von Aktivstoffe, Vlieseline vom Karstadt
  • Bewertung: Der Schnitt selbst ist nicht schwierig, aufwendig war nur, die Wolle wirklich so vorzubereiten, dass daraus eine Herbst-Winterjacke werden kann. Und Doppelgrößen sind doof!
  • verlinkt auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog

13 Kommentare zu “New Look 6074: Kurzmantel für den Herbst/Winter

  1. Tolle Jacke mit schönem Schnitt! Mir gefällt vor allem die geschwungene Front sehr gut. An Jacken / Mänteln verzweifle ich auch regelmäßig, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister wie man bei dir gut sieht. LG, Zuzsa

    • Cordula Natusch

      Hallo Zuzsa, es freut mich, dass dir die Jacke gefällt. Die geschwungene Front war eines der Merkmale, die mich von der Jacke überzeugt haben. Allerdings schließe ich sie jetzt weiter, als eigentlich vom Schnitt vorgesehen – aber sonst ist sie einfach zu luftig. Soll mich ja auch halbwegs warm halten, das gute Stück. LG Cordula

  2. gut ding will weile haben, nech? zu schade, dass der mantel nicht warm genug ist und somit die tragezeit verlängert. einen kleinen tip hätte ich vielleicht noch: wenn ich so einen fransel-Stoff habe, dann schneide ich erst die einlage zu, bügel die auf den Stoff und schneide dann erst das bereits verstärkte schnitteil aus. zumal man auf einlage eh besser anzeichnen kann als auf locker gewebtem Stoff. dann einmal mit der ovi drumrum, fixiert auch nochmal die einlage, fertig ist die laube.
    lg
    molli

    • Cordula Natusch

      Guter Tipp, danke, das werde ich mal ausprobieren, wenn ich wieder so ein weiches Zeug auf dem Zuschneidetisch habe.
      LG Cordula

  3. Sehr schöner Mantel! Ich mag diese schlichten Modelle auch sehr gerne! Lg Patricia

    • Cordula Natusch

      Danke schön. Ich finde, bei einem auffälligen Stoff braucht es keinen ausgefallenen Schnitt.
      LG Cordula

  4. Ein ungewöhnlicher Schnitt, der Dir wirklich super steht!
    LG Dana

    • Cordula Natusch

      Danke. Es freut mich, dass der Mantel dir gut gefällt. Der Schnitt ist wirklich ungewöhnlich, ich habe auch nur sehr wenige Besprechungen gefunden.
      LG Cordula

  5. Sehr schöner Schnitt, passt dir wunderbar. Gut Ding braucht Weile, so ist es mit Mänteln auch oft bei mir. LG Kuestensocke

  6. Die Jacke ist klasse geworden. Eine interessante Schnittführung.
    LG Marion

    • Cordula Natusch

      Ja, vor allem die geschwungene Vorderfront hat mich auch interessiert. Übrigens ist der Schnitt gar nicht schwierig zu nähen …
      LG Cordula

  7. Ich kann nur bestätigen, dass der Mantel sehr schön ist und Cordula sehr gut steht. Warm genug war er bei um die Null Grad auch – was will man mehr?

    • Cordula Natusch

      Und den Wind nicht vergessen, der uns zumindest in München kräftig um die Ohren blies! Danke noch einmal für die tollen Fotos und die schönen Tage bei Dir!
      Liebe Grüße an alle
      Cordula

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